16.02.2011

Columbia University and some culture

Hallo,

der heutige Post behandelt zwei Themengebiete. Zum einen möchte ich die letzten paar Wochen seit dem letzten Update kurz schildern und zum anderen ein von der Columbia University, den Kommilitonen und den Kursen hier erzählen.

Was hat sich seit dem letzten Post hier in New York grob getan?

Eine interessante Geschichte ist sicherlich der Superbowl Sunday - das letzte Spiel der National Football League (NFL) und ein heiden Medienspektakel hier in den USA. Die beiden Teams im Superbowl waren die Pittsburgh Steelers und die Greenbay Packers. Prinzipiell hat man ja als Europäer von American Football eher weniger Ahnung, der Sport ist in Europa einfach nicht populär. In den USA ist das - erwartungsgemäß - ganz anders. Und so habe auch ich mich etwas vom Superbowl-Fieber anstecken lassen und das Spiel zusammen mit einer Freundin in einer Bar angesehen. Meine Grundeinstellung war einfach: nachdem ich mich als waschechter "New Yorker" sah, und die Pittsburgh Steelers im Halbfinale die New York Jets geschlagen haben (siehe auch letzter Post), war ich auf alle Fälle nicht für die Steelers. Leider war die Bar eine Steeler-Bar. D.h. 90% Steelers Fans, wobei der Begriff "Fan" eigentlich zu milde ist. "Hooligan" oder "Extremist" würde es besser treffen. Und so kam es, dass ich, kaum waren wir in der Bar an der Bar angekommen, von ein paar Steelers Fans angesprochen wurde, warum mein Pulli denn grün sei. Naja, er war halt blau. Sie meinten, ich solle doch lieber ein Steelers Trikot tragen - wie 90% aller Barinsassen. Ich meinte, ich mag die Steelers nicht so gerne, was auf Murren stieß. Das habe ich noch nicht ernst genommen. Noch nicht.

Doch als während des Spielverlaufs immer deutlicher wurde, dass die Steelers verlieren würden, wurde ich irgendwann lauthals beschimpft und mit netten Gesten (der Finger rechts/links des Ringfingers wurde mir oft gezeigt) aufgefordert, die Bar doch zu verlassen. Ich dachte nicht dran.
Trotzdem war ich etwas verwundert über die Gewaltbereitschaft und offene Aggressivität, denn es war ja "nur" ein Spiel. Naja, immerhin war das Bier kostengünstig und ein paar anderen Amerikaner haben sich mehrmals bei mir entschuldigt, dass sich ihre Landsleute hier so aufführen und mich in Schutz genommen - "He's an European, you know....".
Nichtsdestotrotz ein interessanter Abend - und Hooligans haben wir auch in Deutschland.

Fahren wir fort mit kulturellen Schmankerl. Ich war ebenfalls im Museum of Modern Art (MoMA), einem gigantischen Museumskomplex der der modernen Kunst gewidmet ist. Nachdem ich jedoch kein allzu großer Kunstfan bin soll an dieser Stelle lediglich erwähnt werden, dass das Museum definitiv einen Besuch wert ist. Allerdings ist es wirklich riesig groß (6 Stockwerke und über die Maße eines Stockwerks kann ich nur Spekulieren), so dass man sich ordentlich Zeit einplanen sollte.

(Filmplakat zum "Phantom der Oper)

Ein wirklicher kultureller Höhepunkt war allerdings der Besuch des Broadway Musicals "Das Phantom der Oper". Ja, es war mein erstes Musical und ja, es ist eigentlich wie eine leicht bekömmliche Operette. Aber dieses Musical mit all seinen Klassikern ("Angel of Music", "Music of the Night", "Point of no return", etc) muss man einfach mal gesehen haben. Daneben war das Bühnenbild hervorragend inszekniert und vermochte es, blitzschnell in die verschiedenen Szenen überzuleiten. Auch die musikalische Leistung von Orchester und Sängerinnen/Sängern war beachtenswert, so dass ich von der Vorstellung restlos begeistert war. Nun planen wir, auch den "König der Löwen" hier demnächst anzusehen.

Ansonsten habe ich Grand Central Station (die eigentliche Halle der Station besteht seit 1913) und das Crysler Building besichtigt.

(Crysler Building I)

(Crysler Building II)

So, nun zum akademischen Teil des Posts.
Nachdem ich nun seit ca. einem Monat an der Columbia University bin, mal ein kleiner Artikel dazu. Die Columbia University wurde 1754 als "King's College" gegründet, ist die fünft älteste Uni der USA und gehört zum erlauchten Kreis der "Ivy League" (neben Harvard, Princeton, University of Pennsylvania, Yale, Dartmouth, Cornell und Brown). In New York findet man die Columbia University circa zwischen der 110th und 125th Street zwischen Amsterdam Avenue und Broadway. Soviel dazu.

Na dann wollen wir mal den Campus von der 116th Street betreten.

(Butler Library)

Dem Besucher fällt sofort die Columbia Library und die Butler Library auf. Allgemein wirkt der Campus sehr pomös und beeindruckend, durch seine Maße und Gebäude. Leider bin ich im unschönsten Gebäude des gesamten Campus untergebracht: die Uris Hall, the home of the business guys :-)

(Uris Hall)

Ich belege aktuell drei Kurse, welche allesamt etwas mit meinem TUM-BWL Studium oder CDTM Studium zu tun haben. Inhaltlich also wunderbar. Der Arbeitsaufwand für die Vorlesungen ist allerdings höchst unterschiedlich. Während ich im vermeintlich high-end MBA (Master of Business Administration) Kurs schier vor Langeweile einschlafe und nichts nachlernen muss, so ist der Kurs für Wirtschaftsingenieure "Stochastic Modelling" schon anspruchsvoller. Letzterer beinhaltet neben der 3-stündigen Vorlesung auch jede Woche eine Hausaufgabe, was nicht ohne ist. Der dritte Kurs, ein PhD (also Doktoranden-) Kurs ist sehr herausfordernd und für mich eigentlich zu mathematisch. Hier werden viele Sätze aufgestellt und bewiesen, es ist also sehr viel quantitative als was ich an der TUM gewohnt bin.

Neben dem Aufwand für die Kurse sind die Kommilitonen auch höchst unterschiedlich. Meine Erfahrung ist, dass PhD Studenten meist recht kommunikativ und offen sind, wohingegen diese Eigenschaften bei MBA-Studenten eher weniger vertreten sind. Das macht es oft nicht einfach, MBA Studenten kennenzulernen und über den bloßen Austausch von "Hallo, wie geht's dir" - Floskeln hinweg zu kommen. Das ist eigentlich schade. Denn gerade MBA-Kurse sind oftmals nicht zu anspruchsvoll und rechtfertigen damit keine Arroganz oder pseudoelitäres Verhalten von MBA-Studenten.
Das ist freilich nur die Meinung meiner Wenigkeit.

Ich bin gespannt darauf, wie sich diese Erfahrung in den nächsten Wochen entwickelt und halte die Leserschaft freilich auf dem Laufenden.

Martin